Aus eigener Kraft

Gemeinsam bringen wir Dinge ins Rollen. Foto: kwasibanane.

Foto: kwasibanane

omalla voimalla ●  Kendi gücümüzle
con le nostre forze ● ji hêza xwe ● תחת כוחם שלהם
con toda nuestra fuerza ● amb els propis mitjans
let‘s do it ourselves ● със собствени сили ●  با نیروی خود
własnymi siłami ● Aus eigener Kraft ● საკუთარი ძალებით
Своими силами ●  par ses propres moyens ● Власною силою ● من قوتنا

InZeitung 48 vom 9. Mai 2026: Editorial

»Claudia ist nicht da«, sagt der Mann der Besitzerin meiner beliebten kleinen Bäckerei. Der Chor Som do Brasil, in dem sie singt, hat eine Aufnahme beim SWR. »Mittwochs kann ich nicht in die Redaktion«, textet mir Katja, »da habe ich immer Training bei unserer Feuerwehr.«

Claudias Arbeitstag beginnt um fünf Uhr. Katja muss bald die Prüfung absolvieren, um als Ärztin in Deutschland anerkannt zu werden. Was motiviert meine Bekannten, sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich zu engagieren? »Einmal Freiwilliger, immer Freiwilliger«, sagt Katja. Auch in ihrem Heimatland hat sie sich bei NGOs engagiert, bis sie eines Tages fliehen musste. Es gibt vieles, was wir als Migrant*innen aus eigener Kraft tun können – und sollten. Weder die Schule noch das Kulturamt noch die deutschen Medien sind dafür bereit, die Mehrsprachigkeit unserer Kinder zu fördern (S.6), Verbindungen zwischen den demokratischen Kräften hier und dort herzustellen (S.5,9) oder die Themen dieser Zeitung aufzugreifen. Und niemand wird für uns Arbeitsplätze finden, die unserer Berufung und Qualifikation entsprechen (S.4).

Eigeninitiative war schon immer das Los der Migrant*innen, sei es die Gründung eines Dönerladens oder eines Unternehmens wie BioNTech, das den ersten Impfstoff gegen Corona entwickelte. Menschen mit Migrationsgeschichte gründen in Deutschland häufiger als der Durchschnitt (S.8). Ehrenamtlich engagieren sie sich immer öfter über die Grenzen der Bewahrung nationalen Kulturguts hinaus – mit Unterstützung vieler Deutscher. Es gibt Menschen, die ihre Altersersparnisse für ein Auto ausgeben und es selbst in die Ukraine fahren, weil man dort Fahrzeuge braucht, um Verletzte von der Front zu transportieren. (S.10).

Und was fällt auf, wenn man solche aktiven und mitfühlenden Menschen interviewt? Sie sind glücklicher als andere. Glücklich zu sein und Freude am Leben zu haben, ist die beste Antwort auf politische Krisen, die viele so sehr entmutigen. Deshalb schreiben seit Jahren hunderte Autor*innen für uns – ehrenamtlich. Viel Spaß beim Lesen!

Bild: AdobeStock

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