Wie wir uns kleiden

Vielfalt steht uns allen gut. Fotos: kwasibanane.

Foto: kwasibanane

Wia ma uns gwand ●  Nasıl giyiniyoruz
Come ci vestiamo ● how we dress ● چگونه لباس می‌پوشیم
как се обличаме ● miabé nou dodo yé ya
Como nós nos vestimos ● Notre façon de nous habiller
Dèdé n’bourozou ● Wie wir uns kleiden ● როგორ ვიცმევთ
Как мы одеваемся ●  Як ми одягаємось ●  Jak się ubieramy
 Cómo nos vestimos ● 우리는 이렇게 입어요

InZeitung 49 vom 12. September 2026: Editorial

Neues Land, neue Kleidung – das galt, als wir nach Deutschland zogen. Die Kleidung unseres kleinen Sohnes hatten wir nicht einmal eingepackt. Hier wäre er darin als armes Kind aufgefallen. Wir kauften ihm alles neu am ersten Tag. Für eine Jobveranstaltung meines Mannes kauften wir einen Dreiteiler, den wir am nächsten Tag zurückbrachten, da befreundete Kollegen davon abgeraten hatten: Hier ist alles lockerer. Dass Frauen in Freiburg kein Make-up tragen, war für mich eine Erleichterung. Als meine Mutter uns besuchte, wunderte sie sich: »Schminken ist also aufdringlich, aber mitten in der Stadt nackt im Seepark zu liegen, ist voll anständig!«

Die Angst aufzufallen ist Migran­t*innen bekannt. Und das nicht umsonst, denn Diskriminierung aufgrund des Äußeren gibt es genug (S.10). Man kann es aber ignorieren: »Eine Jeans reicht doch völlig aus.« (S.8). Oder glänzen – egal, in welchem Land. (S.5,9).

Migrant oder nicht, die Art und Weise, wie wir uns kleiden, geht weit über Fashion und Schönheit hinaus. Sie kann Zugehörigkeit zum eigenen kulturellen Erbe, wie z. B. beim Africa Day (S.5), oder zu einer anderen Kultur (S.4) signalisieren. Sie kann auch die Identität verschleiern oder überspielen (S.7). Kleidung kann für jemanden eine Spende sein, für andere eine Geschäftsidee (S.11): Die Vielfalt an Second-Hand-Läden in der Stadt überrascht. Aber die größte Überraschung war, dass es das Klischee »Freiburger*innen kleiden sich fantasielos« anscheinend so nicht mehr stimmt – nicht zuletzt dank der Student*innen und der Migrant*innen. Die Zukunft wird noch bunter, auch im Erscheinungsbild und bei der Kleidung der Freiburger*innen. Wir freuen uns darauf.

Weniger erfreulich ist die Radikalisierung der deutschen Sprache. Eine Untersuchung dazu finden Sie auf Seite 12.

Passend zu dieser leichten Sommerausgabe haben wir ein Fischrezept aus einer Hafenstadt – der italienischen Città delle Nazioni – zusammen mit einer interkulturellen Geschichte.Viktoria Balon